Was ist ein Elektroschocker?

Elektroschocker oder auch “Elektroimpulsgeräte“ zählen zu den non-lethal  (nicht tödlichen) Waffen und  sind eine der wenigen Waffenarten, die in Deutschland ab 18 Jahren zur Selbstverteidigung frei erhältlich sind.

Es ist jedoch zu beachten, dass nur Geräte legal sind, die das Prüfsiegel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt tragen (PTB Prüfsiegel). Sollte diese Kennzeichnung nicht auf dem Gerät vorhanden sein, gilt der Elektroschocker als illegale Waffe und der Besitz kann empfindliche Strafen mit sich bringen.

Elektroschocker Varianten

Elektroschocker gibt es in verschiedenen Varianten – sowohl für den direkten Kontakt, als auch für die Distanz und in unterschiedlichen Größen/Längen. Momentan sind jedoch lediglich die “Handgeräte“ von der PTB zugelassen, “Stabgeräte“ noch nicht. “Distanzgeräte“ sind seit April 2008 für den Zivilmarkt verboten.

Handgeräte

Die in Deutschland am weitesten verbreitete Elektroschocker-Variante ist das so genannte “Handgerät“; es ist handlich klein und kann auch sehr gut verdeckt getragen werden. Allerdings ist der Verteidigungsradius sehr gering und muss man für den Einsatz sehr nahe an einen Angreifer heran, bzw. diesen nahe an sich heran kommen lassen. Man kann ihn nicht wesentlich länger als auf Armlänge von sich halten.

Stabgeräte

Elektroschocker in Form eines mehr oder weniger langen Stabes. Zumeist robuste Modelle mit wesentlich mehr Leistung die nicht nur schocken, sondern auch zum Abdrängen von Personen/Tieren eingesetzt werden können. Die Geräte lassen sich zwar nicht so leicht transportieren wie die “Handgeräte“ (meist werden sie direkt in der Hand oder in einem deutlich sichtbaren Holster getragen), jedoch erhöht sich durch ihre Länge auch die Verteidigungsreichweite, wodurch man einen Angreifer auf meist deutlich mehr als nur eine Armlänge von sich halten kann, was oft von Vorteil ist.

Distanzgeräte

Hierbei handelt es sich um Distanzwaffen, wie zum Beispiel die bekannten Modelle der Firma “Taser“. Diese Waffen feuern mit Widerhaken versehene Projektile ab, die über einen Draht mit der Waffe verbunden sind. Die Projektile dringen durch die Kleidung des Angreifers, direkt bis in die Haut - daher benötigen diese Geräte auch eine weitaus geringere Spannung ("nur" ca. 50.000 Volt) als herkömmliche Hand- oder Stabgeräte. Der elektrische Impuls wird von der Waffe über die Drähte in die Projektile geleitet. Hat man den Angreifer einmal “am Haken“, können immer wieder Stromladungen über die Waffe an den Angreifer abgegeben und dieser somit leicht unter Kontrolle gehalten werden.

In den USA und anderen Ländern werden diese Geräte flächendeckend von Polizei- und Sicherheitskräften eingesetzt und bieten damit eine wirksame Alternative zu herkömmlichen Schusswaffen. In Deutschland sind sie für Privatpersonen verboten und dürfen nur von der Polizei und Spezialkräften eingesetzt werden.

Unterschied zwischen PTB & Export Elektroschockern

Jeder Elektroschocker der in Deutschland legal erworben werden kann, benötigt ein Prüfsiegel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB Prüfsiegel) um für den Markt zugelassen zu werden. Geräte die dieses Siegel nicht tragen, gelten als illegale Waffen und der Besitz kann empfindliche Strafen mit sich führen. Das PTB Prüfsiegel sagt aus, dass der Elektroschocker gesundheitlich unbedenklich ist und nicht zur Folter von Personen angewendet werden kann.

Ein Hauptmerkmal ist dabei, dass bei diesen Geräten kein Dauergebrauch möglich ist: sie schalten sich nach  einigen Sekunden automatisch ab und legen eine Zwangspause von mehreren Sekunden ein. Auch ist die Stromstärke gedrosselt um keine bleibenden Schäden zu verursachen.

Exportgeräte ohne PTB Prüfsiegel haben diese Sicherungsmaßnahmen in der Regel nicht und dürfen deswegen auch nicht in Deutschland verkauft, erworben oder geführt werden - der Besitz ist strafbar. Diese Geräte sind nicht gedrosselt und können daher schwere oder sogar tödliche Verletzungen durch unsachgemäßen Gebrauch oder Folter hervorrufen.

Geräte ohne PTB Prüfsiegel, die nachweislich (Rechnung mit Kaufdatum) vor dem 1. Januar 2011 erworben wurden darf man zwar noch weiterhin besitzen und zu Verteidigungszwecken einsetzen, jedoch nicht mehr führen.

Wirkung von Elektroschockern

Elektroschocker können ein sehr effektives Mittel zur Abschreckung sein. Alleine das laute Entladungsgeräusch und der entstehende Lichtbogen können einem Angreifer oder angreifendem Tier schon Respekt einflößen. Kommt es dennoch zu einem Übergriff, kann man den Übeltäter im besten Fall durch einen bis zu 500.000 Volt (derzeit das Maximum der PTB Geräte) starken Schlag zur Flucht bewegen. Bei Kontakt kommt es zu starken Schmerzen und motorischen Einschränkungen durch Muskelkrämpfe, die sich durch unkontrolliertes Zittern auszeichnen und einen Angreifer zu Fall bringen können. Wie stark diese Symptome ausgeprägt sind, kommt ganz auf die Stärke des jeweiligen Elektroschockers an. 

Die starke Verkrampfung der Muskulatur und die temporäre Überlastung von Nervenbahnen ziehen kurzzeitige Nachwirkungen wie Muskel- und Nervenschmerzen mit sich (physische Wirkung), auch Verwirrung und Schockzustände sind möglich (psychische Wirkung). Allerdings sind diese (zumindest bei den PTB Geräten) nur kurzzeitig und klingen, ohne bleibende Schäden zu hinterlassen, wieder ab.

Je höher die Spannung, desto höher die Wirkung?

Nicht unbedingt. Wie schon zuvor erwähnt, haben beispielsweise die Distanzgeräte der Firma Taser eine weitaus geringere Spannung und zählen dennoch zu den effektivsten Geräten auf dem Markt. Das liegt an zwei wesentlichen Punkten:
1. Die Projektile dringen durch die Kleidung direkt bis in die Haut ein.
Eine höhere Spannung wird nur benötigt, um die schützende Kleidungsschicht zu durchdringen - mehr/dickere Kleidung schwächt den Effekt also. 100.000 oder 200.000 Volt sind schon völlig ausreichend bei normaler Kleidung (z. B. Hemd, T-Shirt oder Jeans) und Tieren. Höhere Spannungen werden nur bei dickerer Kleidung (z. B. Leder) benötigt - der Effekt auf bloßer Haut ist immer der Gleiche, unabhängig von der Spannung des Elektroschockers.
2. Der Abstand zwischen den (äußeren) Elektroden.
Dies ist der Bereich, in dem der Strom fließt. Der Taser verschießt wie schon beschrieben zwei Projektile. Diese werden aber nicht parallel verschossen, sondern mit einem leichten Winkel: je weiter die Projektile fliegen, desto weiter ist der Abstand zueinander bei einem Treffer. So bekommt man bei 6 Metern einen Wirkungsbereich, der etwa der Breite des Oberkörpers entspricht - weitaus mehr als bei einem Elektroschocker mit ca. 5 cm Abstand zwischen den Elektroden.
Ein Elektroschocker mit größerem Abstand zwischen den Elektroden und geringer Spannung kann also durchaus effektiver sein, als ein Elektroschocker mit hoher Spannung und geringerem Elektrodenabstand.

Auf dem Markt gibt es viele unterschiedliche Geräte mit unterschiedlichen Spannungsangaben. Geräte mit 1.000.000 Volt oder mehr sind heutzutage nichts besonderes. Es kommt aber auch immer auf die verwendete Messmethode zur Spannungsbestimmung an. Ein mit hoher Spannung beworbenes Gerät kann, mit einer anderen Methode gemessen, ganz schnell zu einem Durchschnittsmodell werden. Prinzipiell sollte man daher auf Qualität statt Quantität setzen.

Außer der Spannung und dem Elektrodenabstand gibt es noch das Kriterium der Stromstärke welche jedoch bei den zugelasssenen PTB-Geräten auf max. 500mA beschränkt wurde und somit keinen Vergleich benötigt.

Anwendung von Elektroschockern

Wegen der Nähe zum Angreifer ist es bei Hand- und Stabgeräten essentiell, schnell und effektiv verwundbare Stellen an einem Gegner anzusteuern.

Schulter: Wird der Elektroschocker an der Schulter angesetzt, führt dies zu Schmerzen und Lähmungserscheinungen im jeweiligen Arm und kann unter Umständen bei einer Entwaffnung helfen.

Bauch: Ein Treffer im Bauchbereich sorgt ebenfalls für starke Schmerzen. Die Bauchmuskulatur verkrampft sich und der Gegner ist in seiner Bewegung eingeschränkt. In seltenen Fällen kann es auch zum Erbrechen kommen.

Hüfte/Unterleib: Wird man an der Hüfte getroffen, kann es zur Lähmung des Beines kommen und dadurch zum Fall. Eine optimale Möglichkeit um die Flucht ergreifen zu können.

Beine/Unterleib: Ein Treffer am Unterleib führt im besten Fall zu sehr starken Schmerzen die einen Angreifer schnell wieder auf Distanz gehen lässt. Trifft man hingegen die Beine, kann es wie beim Hüfttreffer zum Fall kommen und  Zeit für eine Flucht verschaffen.

Für einen optimalen Effekt sollte so wenig Kleidung wie mögliche zwischen Haut und Schocker sein. Weil das aber selten der Fall ist, raten wir grundsätzlich dazu den stärksten Elektroschocker zu kaufen, um auch z. B. Leder- oder Winterkleidung durchdringen zu können. Auch wenn Kopf und Hals meist unbedeckt sind, raten wir von diesen Körperregionen prinzipiell ab: zum einen ist es schwierig ein bewegliches Ziel dort zu treffen, zum Anderen können Treffer in diesen Bereichen schwere Verletzungen verursachen - auch mit von der PTB zugelassenen Geräten.

Gefahren beim Anwenden

Leider wird in Filmen und Fernsehen oftmals suggeriert, dass die elektrische Entladung eines Elektroschockers zur Ganzkörperlähmung (oder gar Ohnmacht) über längere Zeit führt - dem ist aber nicht so: es kommt zwar zu schmerzhaften Muskelkrämpfen, diese betreffen aber nur einzelne Muskelgruppen und halten nur so lange, bis der Stromfluss unterbrochen wird. Personen die unter Drogen- und/oder Alkoholeinfluss stehen, haben meistens ein verringertes Schmerzempfinden, was den Effekt deutlich mindert und eine Situation durch die Nähe zum Angreifer wesentlich gefährlicher gestalten kann.

Im Idealfall bringen Sie einen Angreifer durch den Schock zu Fall und verschaffen sich somit etwas Zeit für weiteres Vorgehen (z. B. Flucht, sich um Hilfsbedürftige kümmern etc.). Bleiben Sie vom Angreifer weg, da sich dieser ziemlich schnell wieder erholen und erneut angreifen kann!

Wie schon angedeutet ist die Dicke der Kleidung des Gegenübers ein entscheidender Faktor für die Effektivität des Elektroschockers. Umso mehr Stoff zwischen Haut und Kontakten ist, desto weniger spürt der Angreifer den Stromschlag. Zur reinen Tierabwehr reichen Geräte mit bis zu 300.000 Volt völlig aus. Stärkere Geräte können den Tieren erhebliche Verletzungen zufügen.

Wir empfehlen dringend den Umgang mit der Waffe zu üben, um unangenehme und gegebenenfalls gefährliche Situationen zu vermeiden.

Geprüfte Sicherheit